Ludwig-Renn-Schule in Potsdam

Normalerweise werden auf dieser Seite Potsdamer SpanienkämpferInnen vorgestellt, was bedeutet, dass diese Personen einen Teil ihres Lebensabschnitts in Potsdam verbracht haben. Diesen Personenkreis zu begrenzen hat vor allem logistische Gründe, sonst würde dieses Projekt ja auch ausarten. Mit Ludwig Renn wird jetzt aber eine Person näher beschrieben, die zwar nicht in Potsdam gelebt oder gearbeitet hat, die aber in der Öffentlichkeit zumindest durch die Benennung einer Schule präsent ist. Und weil Ludwig Renn in der Öffentlichkeit letztendlich aber doch nicht so präsent ist, wie er es eigentlich verdient hätte, soll er hiermit auch noch einmal wert geschätzt werden.

Die Ludwig-Renn-Schule (auch Grundschule 2 genannt) ist somit eine der wenigen Überbleibsel antifaschistischer Namensgebungen aus der Zeit der DDR. Auf der Seite eben jener Schule findet sich nur ein sehr kurzer Hinweis auf den Namenspatron Ludwig Renn. Seine antifaschistische Einstellung und sein Aufenthalt in Spanien während des Bürgerkrieges werden dort nicht erwähnt.
Die Schule befindet sich im Potsdamer Stadtteil Eiche in der Kaiser-Friedrich-Straße 15a. Ludwig Renn würde sich angesichts des Straßennamens im Grabe umdrehen. Schließlich legte er aus politischer Überzeugung seinen Adelstitel ab (seine Wurzeln liegen im sächsischen Adel) und er brach frühzeitig mit den monarchistischen und reaktionären Werten. Ende der zwanziger Jahre tritt er der KPD und schließlich dem Roten Frontkämpferbund (RFB) bei. Seit dieser Zeit ist er unter dem Namen Ludwig Renn bekannt. Ein Wunder, dass die Schule, trotz der städtischen Erinnerungspolitik, die das Augenmerk eher auf das reaktionäre-preußische legt, weiterhin den Namen des antifaschistischen Schriftstellers und Spanienkämpfers trägt. Gerade im Zuge von Schulsanierungen, gibt es ja häufiger Initiativen, die sich für Umbenennungen einsetzen oder sich ihrer Geschichte entledigen. Hoffen wir, dass dies auch zukünftig so sein wird und mit der Namensgebung der Schule ein mehr als engagierter Antifaschist und Spanienkämpfer in Potsdam gewürdigt wird. Ludwig Renn soll hiermit biografisch vorgestellt werden.

Ludwig Renn wird als Arnold Friedrich Vieth von Golßenau am 22. April 1889 in Dresden geboren. Nach dem Abitur beginnt er seine Offizierslaufbahn im 1. Königlich-Sächsischen Leibgrenadierregiment Nr. 100 in Dresden. Im Ersten Weltkrieg, von 1914 bis 1918, ist er Kompanie- und Bataillonsführer an der Westfront. Zurück in Dresden wird er 1920 Hauptmann bei der Sicherheitspolizei, verweigert aber im Zuge des Kapp-Putsches auf revolutionäre Arbeiter zu schießen und hört schließlich bei der Polizei auf. Er beginnt Jura, Nationalökonomie, Kunstgeschichte und russischer Philologie in Göttingen und München zu studieren. In Wien beendet er 1927 sein Studium der Archäologie und ostasiatischen Geschichte. 1925/26 war er zu Fuß in Südeuropa und im Orient unterwegs. 1928 erscheint sein erster Roman „Krieg“ und mit diesem dokumentarischen Antikriegsroman schildert er die Sicht des fiktiven Soldaten Ludwig Renn. Unter dem nun persönlich angenommenen Namen hält er auch Vorträge für Arbeiter an der Volkshochschule in Zwickau. Wie oben schon geschrieben, schließt er sich der KPD und dem RFB an.
Er ist Mitherausgeber der militärpolitischen Zeitschrift „Aufbruch“ und bringt in den folgenden Jahren weitere Werke hinaus („Nachkrieg“ im Jahr 1930 und „Rußlandfahrten“ im Jahr 1932). 1932 wird er wegen „literarischen Hochverrats“ verhaftet und kommt in Untersuchungshaft. Er wird im Januar freigelassen, aber nach der Machtübernahme der Nazis mit dem Reichstagsbrand im Februar erneut in Haft („Schutzhaft“) genommen. Im Januar 1934 wird er zu 30 Monaten Zuchthaus verurteilt, er wird in das Zuchthaus Bautzen eingeliefert und erst im August 1935 wieder entlassen.

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Joris Ivens (li.), Ernest Hemingway und Ludwig Renn (re.) 1936 in Spanien (Foto: Bundesarchiv)

Zur Jahreswende 1935/36 flieht er über die Schweiz nach Spanien. Dort ist er bei Beginn des faschistischen Putsches in den republikanischen Truppen aktiv. Aufgrund seiner militärischen Kenntnisse fungiert er ab Oktober 1936 als Kommandeur des Thälmann-Bataillons und kurze Zeit später als Stabschef der XI. Internationalen Brigade. Außerdem wird Ludwig Renn mit Aufgaben zur Unterstützung der republikanischen Regierung beauftragt, so dass er auch im Ausland arbeitet. 1938 wird er im Auftrag der republikanischen Volksarmee Direktor der Offiziersschule in Cambrils (Katalonien). Während des Rückzuges über die Pyrenäen wird er auf französischem Boden festgenommen und im Lager St. Cyprien interniert. Mit Hilfe französischer Intellektueller kommt er frei und geht über England und die USA ins mexikanische Exil, wo er schließlich als Professor für europäische Geschichte und Sprachen an einer Universität arbeitet.
1947 kehrt er über die Sowjetunion nach Deutschland zurück und tritt der SED bei. Zuerst geht er ins heimatliche Dresden und bekommt eine Anstellung an der Technischen Hochschule. Im Jahr 1951 geht er an die Humboldt-Universität nach Berlin. Ab 1952 ist er auch als freier Schriftsteller tätig und schreibt sowohl militärhistorische und politische Schriften, als auch Kinderbücher. So erscheint von ihm im Jahr 1956 zum Beispiel sein Buch „Der spanische Krieg“, in dem er seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg schildert. Er erhält mehrere Auszeichnungen und wird 1969 Ehrenpräsident der Berliner Akademie der Künste. Am 21. Juli 1979 stirbt Ludwig Renn in Berlin.

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