Archiv für Mai 2010

Gedenken an Spanienkämpfer

Anbei folgende Presseberichte zum Gedenken an die Potsdamer Spanienkämpfer, wofür Walter Junker exemplarisch steht:

PNN vom 29.7.10

Von Peer Straube

Gedenken an die Spanienkämpfer

Bund der Nazi-Verfolgten fordert Restaurierung des Gedenksteins am
Treffpunkt Freizeit

Nauener Vorstadt – Die Älteren werden die Namen noch kennen: Eduard
Claudius, Hans Marchwitza, Toni Stemmler oder Walter Junker. Was sie und
noch rund 15 weitere Potsdamer eint, ist ihre Teilnahme am Kampf gegen
die faschistischen Franco-Putschisten im Spanischen Bürgerkrieg von 1936
bis 1939.

Erstmals seit vielen Jahren, vermutlich sogar seit der Wende, ist
gestern in Potsdam wieder der Potsdamer Kämpfer gedacht worden. Der
Landesverband des Vereins der Verfolgten des Naziregimes — Bund der
Antifaschisten (VVN-BdA) nahm den 72. Todestag von Walter Junker dabei
zum Anlass, auf den Zustand des Gedenksteins für die Spanienkämpfer vor
dem Treffpunkt Freizeit aufmerksam zu machen. Schon halb hinter
Gesträuch verborgen, die Erinnerungsplakette seit vielen Jahren
verschollen — das Äußere des Gedenksteins sei schlichtweg
„inakzeptabel“, sagte Marcus Pilarski vom VVN-BdA. Zugleich forderte er
die Stadtverwaltung auf, für eine „würdige Restaurierung“ des Steins zu
sorgen. Schließlich sei der Kampf der Internationalen Brigaden, darunter
rund 1200 Deutsche, an der Seite der Spanischen Republik ein „Akt großer
Solidarität“ gewesen, „unmittelbar und beispiellos in der Geschichte“.

Noch deutlicher wurde Harald Wittstock, Vorsitzender des 120 Mitglieder
zählenden Vereins der Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik.
Deutschland ignoriere die Erinnerung und Würdigung seiner
Spanienkämpfer, kritisierte Wittstock und verwies auf Frankreich, wo die
Kriegsteilnehmer in Paris „von Generälen am Arc de Triomphe mit
militärischen Ehren“ gewürdigt würden. So sei 2006 selbst ein Antrag der
Linken im Bundestag gescheitert, wonach das Parlament nur der Reichs-
und Bundestagsmitglieder gedenken sollte, die im Spanischen Bürgerkrieg
auf der Seite der Antifaschisten gestanden hatten. Wittstock geißelte
die damalige politische Debatte als „beschämend“. Auch Potsdam hat nach
Ansicht von Wittstock seine Erinnerungskultur vernachlässigt. Zu
DDR-Zeiten seien etwa eine Straße und eine Schule in der Waldstadt II
nach Fritz Perlitz benannt gewesen. Der Spanienkämpfer werde nun „nicht
mehr nur nicht geehrt, sondern entehrt“.

Im Anschluss brachte der VVN-BdA eine provisorische Replik der
verschwundenen Plakette an dem Stein an. Sie zeigt eine Faust, flankiert
von zwei Geschützen vor den Umrissen Spaniens, darunter einen Globus mit
rotem Stern. Laut VVN-BdA-Mitglied Lutz Boede war die ursprüngliche
Plakette aus Messing, die Kosten zur Nachbildung bezifferte er auf
„maximal 200 Euro“. Die Stadtverwaltung zeigte sich gestern
aufgeschlossen gegenüber einer Restaurierung. Sprecher Stefan Schulz
sagte auf Anfrage, man werde dies prüfen. Die Verwaltung begrüße den
Anstoß aus der Öffentlichkeit und hoffe auf weitere Diskussionen.

Stoff wird sie vom VVN-BdA auch bekommen. Boede kündigte an, den Umgang
mit allen antifaschistischen Denkmälern kritisch prüfen zu wollen.

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MAZ vom 29.7.10

ERINNERN: Provisorium für Spanienkämpfer

Antifa-Gedenkstein am Treffpunkt Freizeit erhält neue Tafel

POTSDAM / NAUENER VORSTADT – 2011 jährt sich zum 75. Mal die Formierung
der Internationalen Brigaden, die zwischen 1936 und 1939 gegen den
Faschismus in Spanien gekämpft haben. In der DDR wurde ihnen zu Ehren
1969 ein Gedenkstein am einstigen Pionierhaus aufgestellt. Nach der
Wende verschwand das Messingrelief mit Inschrift, Panzer, erhobener
Faust und rotem Stern spurlos. Gestern hat der Gedenkstein am Treffpunkt
Freizeit zumindest eine provisorische Tafel zurückbekommen, die
Potsdamer Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes --
Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) angebracht haben. Von der Stadt
forderte VVN-Sprecher Marcus Pilarski einen „würdigen Umgang“ mit dem
Gedenkstein: „Die internationale Solidarität im Kampf gegen den
Faschismus muss wieder ins öffentliche Bewusstsein der Stadt Potsdam
rücken.“ Den ehemaligen Spanienkämpfern müsse gesellschaftliche
Anerkennung zuteil werden, sagte Harald Wittstock, Sprecher des Vereins
„Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939 e. V.“.

Aus Potsdam kamen etwa 20 Interbrigadisten, darunter Walter Junker, der
am 28. Juli 1938 an der Ebro-Front fiel. Mehr als 30 Potsdamer, darunter
Linke-Stadtchef Günther Waschkuhn, erinnerten gestern an den
Spanienkämpfer, der am 27. November 100 Jahre alt geworden wäre. Zu
DDR-Zeiten waren nach Junker eine Straße und ein Klubhaus benannt.
Außerdem wurde 1976 am Bahnhof Griebnitzsee ein Denkmal errichtet, das
man nach 1990 jedoch demontierte und im Potsdam-Museum einlagerte.

Ein „erhebliches Ungleichgewicht“ im offiziellen Umgang mit Historie
monierte Lutz Boede, Geschäftsführer der Wählergruppe Die Andere und
VVN-Mitglied. Während die Verwaltung die Stadtschloss-Fundamente
liebevoll umsorgt, würden Zeugnisse antifaschistischen Erinnerns
„respektlos“ behandelt. Dennoch hofft Boede, dass „die Stadt genug
Anstand besitzt“, die Gedenktafel dauerhaft zu ersetzen und das
zugewucherte Umfeld zu pflegen. Ob es eine neue Tafel geben wird, will
die Stadt prüfen, sagte Rathaus-Sprecher Stefan Schulz gestern: „Der
Gedenkstein ist wohl in Vergessenheit geraten.“ Zu DDR-Zeiten befand
sich der Gedenkstein auf einem mit Rosen bepflanzten Ehrenhain. Die
Rosen sind einer Streublumenwiese gewichen. (Von Ricarda Nowak)

Kleine Anfrage an Stadt wegen Gedenkstein

Passend zur Gedenkveranstaltung an die Potsdamer Spanienkämpfer wird hier noch einmal eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Andere zum Gedenkstein am Treffpunkt Freizeit veröffentlicht. Einfach auf Anfrage klicken.

Anfrage

Fritz Perlitz

Fritz Perlitz war überzeugter Kommunist und Antifaschist. Er kämpfte zwei Jahre lang in einer Flak-Batterie der Internationalen Brigaden. In Potsdam erhielt eine Berufsbildungseinrichtung im Wohngebiet Waldstadt II seinen Namen, aber nach der politischen Wende wurde diese umbenannt. Über Fritz Perlitz gibt es eine Filmdokumentation mit dem Namen „Der Junker und der Kommunist“, in welchem die antifaschistische Zusammenarbeit zwischen einem preußischen Großgrundbesitzer (Carl-Hans Graf von Hardenberg) und Fritz Perlitz dargestellt wird. Es folgt ein biografischer Abriss:

Perlitz, Fritz
1. März 1908 Fürstenwalde – 31. März 1972 Potsdam
Bäcker, 1922 KJVD, 1925 Roter Jungsturm, 1928 BFS, 1930 KPD, KPD-Ortsleitung Fürstenwalde, Februar 1933 erstmalig verhaftet, zu den Wahlen freigelassen, November 1933 erneut inhaftiert, Dezember 1933 Flucht, 1.3.1934 Emigration in die CSR, Februar 1936 2 Monate in Haft, Verfahren eingestellt und aus der CSR ausgewiesen, Februar 1937 nach Spanien, Soldet der 14. internationalen Flak-Batterie, Februar 1939 nach Frankreich, Internierung in St. Cyprien, Gurs, Argeles sur mer, Festung Mt. Louis, Auslieferung nach Deutschland, KZ Neuengamme, 1942 Baubrigade Bremen, danach Hamburg zum Bergen von Toten, 1944 KZ Sachsenhausen, Einsatz Berlin, 1945 KPD in Fürstenwalde, Kreissekretär SED, 1949 Abteilungleiter für Landwirtschaft im SED-LV Brandenburg, 1950 MfS, 1955 Mitarbeiter beim Rat der Stadt Potsdam, 1956 Mitarbeiter SED-BL Potsdam, 1957 Mitarbeiter des MfNV, Major.

Bilderarchiv Spanischer Bürgerkrieg

Dem Link folgend findet sich ein Bilderarchiv mit Fotografien aus dem spanischen Bürgerkrieg, welches vom spanischen Kulturministerium initiiert worden ist.

Bilder vom Spanienkrieg

Spanien13

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