Archiv für April 2010

Auf den letzten Spuren von Walter Junker

der komplette Artikel ist in der Potsdamned (siehe unten) erschienen

Das nächste Mal wenn ich Zeit bzw. Urlaub habe, dann begebe ich mich auf die letzten Spuren von Walter Junker. Schon seit geraumer Zeit spielte ich mit dem Gedanken die Gegend aufzusuchen, in der die sogenannte Ebro-Schlacht tobte und in welcher Walter Junker sein junges Leben verlor, nur um irgendetwas in Erfahrung zu bringen. Nur was genau wollte ich in Erfahrung bringen? Eine innere Unruhe trieb mich in die Gegend, die mich irgendwie mit ihm verband, auch wenn er nur einer von tausenden Freiwilligen in Spanien war. Ich wollte einfach nur mein eigenes Interesse, meine eigenen Empfindungen befriedigen, denn je mehr ich mich mit ihm befasste, desto mehr wollte ich wissen über die Person, die als Antifaschist und Revolutionär aus meiner Stadt nach Spanien ging und wie er sich wohl dort, fernab von seiner gewohnten Umgebung zwischen Flucht und revolutionärer Pflicht, Gerechtigkeitssinn und politischen Abenteuer gefühlt haben muss. Insgeheim hoffte ich vielleicht ein Grab zu finden, auch wenn ich wusste, dass dies sehr unwahrscheinlich werden würde. Aber eine Suche muss ja letztendlich doch zu einem Ergebnis führen oder etwas Konkretes beinhalten. Mit dieser Vision und dem Umstand, dass Walter Junker in Potsdam zu einer vergessenen Persönlichkeit degradiert worden war, wollte ich mich also auf den Weg nach Spanien begeben.

Gandesa2

2009: Ein paar Wolken sind am Himmel, die Sonne scheint und als ich die Avinguda Franquet, eine der Hauptstraßen die vom Land in den Ort führen, entlang gehe, zeigt das Thermometer 34°C an. Nun war ich also in Gandesa angekommen, der Ort, der sich im Süden Kataloniens nahe der Grenze zu Aragon befindet und 15 Kilometer vom Ebro entfernt liegt. Dieser Hauptort der Region „La Terra Alta“ („Hohes Land“) und welcher während der Ebro-Schlacht sehr hart umkämpft war, sollte meine Basis für die Reise in die Vergangenheit werden. Den ersten Tag verbringe ich im Ort und versuche mir einen Überblick zu schaffen. Im örtlichen Museum mache ich mich mit der Geschichte vertraut und versuche Informationen über die Region zu bekommen. Ich finde ein Fahrrad zum Ausleihen, die Touren werden geplant und in den nächsten Tagen will ich verschiedene Orte besuchen.

Gandesa

1938: Im März beginnt die Offensive der Faschisten an der spanischen Ostfront. Von den Pyrenäen bis zu den Bergen im Küstenstreifens von Valencia rücken die Truppen vor. Bei Belchite und Calanda in Richtung Alcañiz drücken sie die Front tief ein und erreichen katalanisches Gebiet. Der Unterlauf des Ebro kann jedoch nicht überschritten werden, die Faschisten wenden sich nach Süden zu. Am 15. April erreichen sie Vinarós und das Mittelmeer, damit wird Barcelona von Valencia abgeschnitten. Valencia, seit November 1936 Hauptstadt des republikanischen Spaniens, soll das nächste Ziel sein. Die Stadt soll laut Franco noch im Juli fallen, doch in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli beginnt die Schlacht am Ebro. Sie wird zu den schrecklichsten Schlachten zählen, da sie in einem monatelangen Grabenkrieg mit unzähligen Versuchen von Offensiven und Gegenoffensiven enden wird.
Walter Junker kämpft im Bataillon „12. Februar“ der XI. Internationalen Brigade. Der Übergang über den Ebro ist eine technische und militärische Meisterleistung und von Ascó aus rückt die XI. Internationale Brigade auf Gandesa vor. „Bevor das faschistische Armeekommando größere Formationen ihrer italienischen Stoßtruppen von der Levantefront [bei Valencia] weg an die Ebrofront zu werfen imstande war, bedrohten die republikanischen Einheiten, die internationalen Bataillone an der Spitze, bereits Gandesa, hatten Corbera, den letzten Ort vor Gandesa, erobert und die Höhen vor der Stadt besetzt.“ [1]

[1] Bredel, Willi: Spanienkrieg I – Zur Geschichte der 11. Internationalen Brigade; Aufbau-Verlag; Berlin und Weimar 1986

der ganze Artikel ist in der Potsdamned erschienen